Melodie der Stille von Cassidy
WB-Text vom 11. TextWB: *Hochzeit – Schreibe eine Geschichte, in der eine oder mehrere Senshi heiraten.*

Strahlend weiß, wie der Glanz vom frisch gefallenen Schnee in der Mittagssonne, stand sie da. Das einzige was das Strahlen ihres Kleides übertraf, waren ihre Augen. Liebe, Glückseligkeit und innere Harmonie spiegelten sich in den Augen, deren Farbe an einen frühen Sonnenuntergang erinnerte. Das bonbonfarbene Haar umrahmte ihr glückliches Gesicht verziert mit leuchtend weißen Rosen. Und da stand er, ihr gegenüber und streifte ihr in dem Moment einen goldenen Ring über, der das Licht der Sonne reflektierte. Der Bräutigam hatte weißsilbernes Haar und war ebenfalls ganz elegant in weiß gekleidet. Seine Augen sahen nur das Mädchen vor ihm- sein kleines Mädchen, das nun vor ihm stand und ihn zum glücklichsten Mann der Welt machte. Das Bild hätte man als Symbol wahrer und ewiger Liebe benutzen können.
Hotaru seufzte und legte das Photo zurück zu den anderen. Sicher, sie freute sich für ihre beste Freundin und zugleich ihre Prinzessin und zukünftige Königin. Die Kleine Lady hatte so lange auf den Moment gewartet- auf Helios gewartet- und jetzt waren sie glücklich. Doch; und Hotaru wusste das dieses Gefühl egoistisch war; sie war traurig, fühlte sich verlassen von ihrer Freundin und... ja, sie war eifersüchtig. Ihr ganzes Leben hatte sie sich dem Kampf gewidmet. Sie beschützte die Königin und den König, natürlich die Prinzessin und ungefähr den Rest der Galaxie... Etwas zu heftig schmiss sie die Schachtel mit den Photos in den Schrank. Langsamen Schrittes ging sie zum Balkon und beobachtete die Menschen unten auf der Straße. Eine leichte Brise wehte durch ihr mittlerweile schon hüftlanges schwarzes Haar. Fast verschmolz es mit dem Kleid, das Hotaru anhatte. Der schwarze hauchdünne Stoff lies ihre Porzelanhaut noch heller wirken und der Rock umspielte im Wind ihre Beine. Doch das besondere an ihr waren die Augen. Aufmerksam, tief und geheimnisvoll. Es schien als würde die Welt und alles was sie betrachtete im dunklem Violett ihrer Augen versinken. Sie lehnte sich gegen die Wand um den kühlen Wind zu genießen. Es war ja nicht so, dass sie alleine war. Aber Hotaru träumte schon lange von der Familie, die ihr immer verwehrt war. Sie wollte Kinder um ihnen eine Kindheit zu schenken, die sie selber nie gehabt hatte. Ohne Sorgen, voller Liebe und Glück. Sie hatte so lange gekämpft, war lange Zeit allein, hatte sich ihr Leben langsam aufgebaut nachdem sie ihre Kindheit so schnell übersprungen hatte und nach vielen Nächten der Stille, hatte sie es sogar geschafft den Mann zu finden, den sie lieben konnte. Der SIE lieben konnte. Sie hatte kein Recht sich zu beschweren, auch wenn sie sich mehr wünschte als das. Doch ChibiUsas Hochzeit hat ihn ihr den verborgenen Wunsch geweckt, hat sie sich die Frage stellen lassen, ob er sie auch so glücklich anschauen würde. Hotaru schlug die Augen auf als sie das Klicken des Türschlosses hörte. Sie ging in die Wohnung rein um ihn zu begrüßen. Ein großer Mann mit sportlicher Figur betrat die Wohnung. Seine dunkelblonden Haare schienen sich unzähmbar in alle Richtungen zu strecken. Wie Smaragde funkelten seine Augen als er Hotaru auf sich zukommen sah. Hi, ist etwas später geworden. Hab noch was suchen müssen, sagte er bloß und gab Hotaru einen kurzen Kuss. Hotaru lächelte nur, den sie musste ihre Gedanken gewaltsam runterschlucken. Jetzt wo er vor ihr stand brannte der Wunsch auf ewig mit diesem Menschen zusammen zu sein schmerzhaft in ihrer Brust. Er legte seine Tasche ab und musterte Hotaru aufmerksam. Es war für ihn jedes Mal wie ein Wunder, dieses zerbrechliche Geschöpf zu sehen. Hotaru wirkte oft schon fast wie ein Gespenst und doch wusste er wie viel Kraft hinter diesen Augen, die alles zu durchschauen schienen, lag. Nein, er wusste nicht, dass sie eine Kriegerin war, nicht, dass sie nur eine Sichel zu schwingen brauchte um den blauen Planeten in Staub zu verwandeln. Doch er wusste wie einsam sie war, wie verlassen bevor sie ChibiUsa und seine Schwester kennen gelernt hatte. Ihr leerer Blick entging ihm nicht. Was ist los Hotaru?, fragte er sie leise und zog sie an der Hand zu sich. Nein, schrie Hotaru tief in ihrem Kopf. Nicht jetzt diese Nähe! Etwas zu heftig löste sie sich von ihm. Es ist alles in Ordnung, Shingo, flüsterte sie kaum merklich. Bin nur müde..., fügte sie nur kurz hinzu und ging ins Schlafzimmer um sich hinzulegen. Shingo stand etwas erschrocken da. Er wusste das Hotaru oft mit irgendwelchen Gedanken kämpfte und obwohl sie ihn nur sehr selten dran teilhaben lies, hatte sie seine Nähe nie gemieden. Nein, sie suchte sie immer. Was war den los? Sein Blick trübte sich. Hotaru war schon immer für ihn wie ein Traum gewesen. Ein Trugbild, eine Illusion. Das ausgerechnet so ein zerbrechliches Wesen ihn lieben konnte, war so unwirklich. Und jetzt schien sein Traum ein Ende zu nehmen. Sie hatte sich förmlich von ihm gerissen. Er spürte wie die Illusion, die ihn doch so glücklich gemacht hatte, sich langsam auflöste. Sein Blick fiel auf seine Tasche. Er wühlte kurz in ihr rum und holte ein schwarzes Samtkästchen raus. ChibiUsas Hochzeit war für ihn ein Anstoß gewesen. Während alle ihre Augen nicht von der strahlenden Braut abwenden konnten, sah er an dem Tag nur Hotaru. Wie sie in ihrem zart fliederfarbenem Kleid dastand und ihre beste Freundin anstrahlte. Er erinnerte sich noch genau an das zarte rosa, das ihre Wangen angenommen hatten, als sie den geworfenen Blumenstrauß der Braut auffing. Wie frisch erblühte Kirschblüten leuchteten sie. Und der Blick, der Blick den Hotaru ihm kurz zugeworfen hatte in diesem Moment. Ein Blick der ihm durch Mark und Bein ging. So durchdringend, so tief. Er seufzte.
Och Shingo du Trottel, du hast bestimmt was angestellt, maulte ihn Bunny an. Shingo war am nächsten Tag zu seiner Schwester und ihrem Mann gegangen. Glaub mir Bunny, mir wäre es lieber ich hätte was angestellt. Dann wüsste ich wenigstens was ich jetzt tun könnte..., sagte Shingo nur. Bunny verging augenblicklich die Lust Shingo zu schimpfen. Er sah so elendig aus, wie er dasaß und mit dem Ring, den er gekauft hatte nervös spielte. Sie hatte das mit ihm so lange geplant. Bevor ChibiUsa, nach der Hochzeit zurück in die Zukunft gegangen ist, hatte sie Bunny von Hotarus Wunsch nach einer Familie erzählt und sie gebeten Shingo etwas anzutreiben. Hotarus Reaktion war auch ihr ein Rätsel. Sie setze sich zu Shingo und legte ihre Hand auf seine. Versuch es! Ich bin mir sicher, dass sie dich liebt. Es hatte sicher nichts zu bedeuten, ermutigte sie ihn. Shingo schaute in die himmelblauen Augen seiner Schwester. Seit sie mit Mamoru verheiratet war strahlte sie eine innere Ruhe und Sicherheit aus. Fast erhaben schien sie ihm. Usako hat Recht. Wenn ich daran denke wie sie geschaut hat, als sie ChibiUsas Blumenstrauß gefangen hatte... Ich kenne Hotaru schon lange. So glücklich hatte sie wirklich noch nie geschaut. Und das will schon was heißen, den immer wenn du bei ihr bist strahlt sie, meinte Mamoru nur, der gerade ins Zimmer kam. Shingo nickte. Wenn Mamoru das sagte, dann musste es seine Richtigkeit haben. Mamoru hatte wirklich gute Menschenkenntnisse.
Als er die Wohnung betrat wurde er von Hotaru beinahe umgerannt. Fest umklammerte sie ihn und vergrub ihr Gesicht in seinem Hemd. Du bist ohne ein Wort heute früh weg! Wo warst du den ganzen Tag? ,flüsterte sie nur. Shingo schloss die Tür zu und streichelte Hotaru sanft über das schwarze Haar. Tut mir Leid, ich war so in Gedanken. Habe nur Bunny besucht, sagte er nur. Obwohl sie in seinen Armen lag, stieg in ihm trotzdem Angst hoch. Angst, dass sie nein sagt... ihn womöglich auslacht. Shingo schüttelte den Kopf. Vielleicht sagt sie nein, aber auslachen würde sie mich niemals. Dafür ist sie zu lieb, zu verständnisvoll. Shingo drückte sie näher an sich. Sie spürte, dass seine Umarmung fester wurde. Sie hatte ihm Angst gemacht mit ihrer Abweisung gestern... Hotaru wollte sich entschuldigen. Wollte ihm sagen wie dankbar sie war, dass sie ihn hatte. Wenn er wüsste was für eine Leere in ihr geherrscht hatte. Wie still es immer um sie herum war. Die anderen Senshis hatten ihr eigenes Leben und wenn ChibiUsa sie mal nicht besuchte war sie oft alleine gewesen. Als würde sie eine kalte unsichtbare Mauer von dem Licht der Sonne trennen. Und dann kam Shingo. Noch immer versteht sie es nicht was er an ihr fand. Sie war immer so unscheinbar, so sonderbar... einfach anders als seine fröhliche Schwester, die man einfach lieben musste. Und trotzdem besuchte er sie. Schickte ihr Blumen und kleine Aufmerksamkeiten. Und bekam als Gegenleistung nur Abweisungen. Viel zu viel Angst hatte sie damals. Jemanden zu lieben bedeutet auch etwas verlieren zu können. Dieses Gefühl beherrschte sie schon ein Leben lang. Sie hatte viel verloren... Aber er gab nicht auf. Hotaru lächelte. Shingo hatte die Mauer zerbrochen. Hatte Licht in ihr Leben gebracht. Überhaupt, hat er sie aus einem tiefen Schlaf gerissen und ihr das Gefühl zu Leben geschenkt... Er drückte sie etwas weg von sich um ihr Gesicht sehen zu können. Nach all den Jahren setzte ihr Herz noch immer aus wenn seine grünen Augen sie musterten. Grün... wie Hoffnung, wie der Frühling und der Beginn des Lebens. So anders als ihre dunklen unheilbringenden Augen. Langsam, fast vorsichtig strich er über ihre Wange und vergrub seine Hand in ihre Haar. Er beugte sich etwas vor und sein Gesicht war jetzt direkt vor ihrem. Ihre Blicke trafen sich, prallten aufeinander wie zwei Welten. Leben und Tod. Funkelndes Grün und stilles Violett. Ihre Lippen berührten sich fast und Hotaru spürte seinen Atem auf ihrer Haut und sie fühlte wie sein Herz raste unter seiner Brust. Er flüsterte kaum merklich ihren Namen. Und dann ging er plötzlich in die Knie. Entrissen aus diesem elektrisierenden Moment starrte ihn Hotaru etwas verständnislos an, als er schon die schwarze Schatulle hervorgeholt hatte. Jetzt setze ihr Herz vollkommen aus. Sie wagte es nicht zu atmen als er vor ihr kniete den Ring rausnahm und ihr sanft über den Finger streifte. Hotaru, willst du meine Frau werden?, fragte er sie.
...
Ein halbes Jahr war das her. Jetzt stand sie da. Sie konnte es noch immer nicht glauben. Sie, ausgerechnet sie stand da. Ihr Kleid war lang, weiß und verziert mit weißen Perlen. Das Dekoltee umhüllt von einem durchsichtigen Stoff, der um ihren Hals endete. Ihr Haar war hochgesteckt und nur einzelne Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Die Tür vor ihr ging auf und vor ihr erschien ein Gang an dessen Ende er wartete. Links und rechts drehten sich ihre Freunde und Familie zu ihr um, doch darauf achtete sie nicht. Ihr Blick galt heute nur ihm und so schritt sie langsam, fast wie in Trance, zum Altar. Kurz blickte sie nach rechts auf den Mann, der sie zum Altar begleitete. Souichi Tomoe lächelte seine Tochter an. Sie erwiderte sein Lächeln und ihr Blick streifte zurück zu ihrem Zukünftigen. Jetzt stand sie da vor ihm. In dem Moment wurde aus der eisigen Stille, die zum Leben der Kriegerin der Zerstörung gehörte, friedvolle Stille.
Stille bedeutet Harmonie. Zerstörung führt neues Leben herbei.
Dieses Werk wurde am 2.01.2009 22:25 Uhr eingereicht und wurde bereits 0mal bewertet.
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