Das Leuchten eines Augenblicks von Cassidy
WB-Text vom 12.TextWB:*Kindheitserinnerungen- Schreibe eine Geschichte über die Kindheit einer Senshi*


Eine Kindheitserinnerung? Es gibt so viele Dinge, die ein Kind erlebt. Meine glücklichen Erinnerungen werden oft durch die Schatten die mein Leben damals verhüllten verdeckt. Aber ich erinnere mich, wenn auch die Erinnerung wie von einem Schleier in weiter Ferne verdeckt wird. Als ob man geblendet vom Licht, eine Szene betrachtet... verschwommen... und doch weiß man , dass sie existiert...


„Kleines, komm wach auf!“


Diese Stimme... wenn ich die Augen schließe kann ich sie für einen Augenblick hören. Beruhigend, wie das Rauschen der Blätter im Wind, sanft wie der Klang einer Harfe....


Langsam öffnete sie ihre Augen. Das Licht der Morgensonne kündigte schon den neuen Tag an. Da sah Hotaru sie. Lächelnd, wie ein Engel , beugte sie sich über Hotaru und sagte sanft ihren Namen. „Hotaru, mein Kleines.“ Die Frau über ihr, sie hatte langes nachtschwarzes Haar, das in der Sonne leicht violett glänzte. Ihr Gesicht, weiß wie bei einer Porzellanpuppe. Und Augen so tief, unergründlich und doch strahlten sie die Weisheit einer Mutter aus.


Wenn ich manchmal auf der Straße eine Familie sehe, eine Mutter mit ihrem Kind, dann... für einen Augenblick... erinnere ich mich wie es war in ihre Augen zu blicken. Für einen kurzen Augenblick erinnere ich mich an das Gesicht meiner Mutter.


Hotaru gähnte und rieb sich die Augen. „Bin ja schon wach Mama“, maulte sie etwas schlaftrunken. „ Nein, wenn du noch müde bist, dann solltest du lieber schlafen. Wir können ein anderes mal in den Vergnügungspark gehen...“ neckte Keiko ihre Tochter. Augenblicklich war Hotaru wach. „Mama, ich bin wach, schau doch!“ Aufgeregt sprang Hotaru von einem Fuß auf den anderen und rannte rasch zu ihrem Schrank um sich anzuziehen. Keiko lachte und half ihrer Tochter ein Kleid auszusuchen.


Dieses Lachen... manchmal wach ich mitten in der Nacht auf und dann, dann höre ich dieses glockenhelle Lachen. Für einen Augenblick erinnere ich mich an ihr Lachen...


„Na schau, das mag Papa doch ganz besonders!“ meinte Keiko und holte ein strahlend weißes Kleid hervor, verziert mit fliederfarbenen Blüten. „Oh ja“, strahlte Hotaru und zog es sofort an. Keiko lächelte und dachte daran wie sehr sich ihre Tochter doch freute. Sie unternahmen selten etwas, waren ihr Mann und sie doch immer im Labor beschäftigt. „Komm Mama, Papa wartet sicher schon“ lachte Hotaru, nahm ihre Mutter an der Hand und zog sie hinter sich her aus dem Zimmer.


Ihre Hand war zierlich und warm. Wenn die Sonne im Frühling scheint, erinnere ich mich daran. Die Wärme ihrer Hand kann ich dann für einen Augenblick lang wieder spüren...


Professor Tomoe, ein großer gutaussehender Mann, gab seiner Tochter einen Kuss auf die Stirn.“ Meine kleine Hotaru, nun hetzt doch nicht so, deine Mama kommt ja kaum nach“, lachte er. Ein angenehmes Lachen, passend zu seiner ruhigen Stimme und dem freundlichen Blick. Glücklich nahm Hotaru beide an der Hand und sie gingen los. Der Vergnügungspark war nur für kurze Zeit da und fröhlich lachend schaukelte Hotaru an den Armen ihrer Eltern. Da waren sie. Groß und kunterbunt lag der Vergnügungspark vor ihnen. Hotaru probierte jede Attraktion aus. Nach dem Riesenrad kam das Schaukelschiff, danach die Geisterbahn (nicht das Hotaru was gesehen hätte, die ganze Zeit über vergrub sie ihr Gesicht in dem Kleid ihrer Mutter), das Spiegelkabinett und die Schießbuden. Nur um die Achterbahn machte sie einen großen Bogen. Keiko und Souichi schmunzelten und lächelten sich an. Als letztes war das Karussell dran. Keiko setzte ihre Tochter auf ein weißes Pferd mit Flügeln.“ Das ist ein pegasus mein Schatz, so ein Pferd kann fliegen!“ erklärte sie ihr. Hotaru machte große Augen und es ging los. Jedes mal winkte sie ihren Eltern zu. Eine leichte Brise wehte durch den Vergnügungspark. Der Wind spielte mit Keikos langen Haaren während Hotaru sich im Karussell drehte.


Wenn ich ohne darauf zu achten an einem Spiegel vorbeigehe, stockt manchmal mein Herz. Für einen kurzen Augenblick sind es ihre schwarzen Haare und ihr helles Gesicht, das ich im Spiegel sehe... für diesen kurzen Augenblick sehe ich sie in mir...


Hotaru stieg leicht schwankend vom Karussell. „ Uhh... ich sehe drei Mamas und drei Papas“ murmelte sie. Keiko und Souichi lachten. „Nicht lachen, ich will noch mal!“ nörgelte sie. „Es ist schon spät Kleines“, sagte Keiko leicht lächelnd. Tatsächlich war der Himmel schon rot eingehüllt in den letzten Strahlen der Abendsonne. „Ich bin aber noch gar nicht müde“ gähnte Hotaru. Souichi lachte und hob Hotaru hoch in die Luft. “Papa!“. Hotaru lachte. „Meine kleine Hotaru!“ sagte er nur.


Dieser Augenblick... so weit weg. Doch genau dieser Augenblick ist tief in meinem gedächnis verankert. Das Lachen meiner Mutter, die starken Hände meines Vaters und die Dämmerung. Dieser Augenblick.



Hotaru schlief auf dem Rücken ihres Vaters ein. Keiko strick ihr sanft das Haar aus dem Gesicht. Tief in ihren Träumen versunken, merkte sie nicht einmal als ihre Mutter sie auszog und ins Bett legte. Dabei fiel Keikos Haar nach vorne und verströmte einen leichten Duft von Blumen.


Dieser Duft.... wenn ich im Park spaziere und die Blumen blühen, erinnere ich mich. Ich träumte damals von einer Wiese und vom Lachen meiner Mutter.
Dieser Duft war das letzte was ich von ihr spürte. Was mein herz in sich aufsog und für immer wie einen Schatz hütete, den am nächsten Tag starb sie.


Es sind so selbstverständliche Augenblicke im Leben, die am kostbarsten sind...
Dieses Werk wurde am 2.01.2009 22:26 Uhr eingereicht und wurde bereits 0mal bewertet.
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