Mantel der Erinnerung von Cassidy
17. TextWB *Schreibe eine Geschichte in der die Mondkatzen (Luna, Artemis, Diana) in Tokio als Menschen leben.*

Wie ein silberner Nebel umhüllte der weiße Schnee die Welt. Sanft wirbelte der kalte Wind den glänzenden Staub die Straßen entlang. Es war ruhig. Die Menschen waren im Land der Träume und bemerkten das stille Naturschauspiel vor ihren Fenstern nicht, ebenso wenig die Gestalt, die aus dem Nebel trat. Schemenhaft zeichnete sich im Glanz der umherwirbelnden Schneeflocken langes silbernes Haar ab. Ein weißer undurchdringlicher Mantel umhüllte die Person. Langsamen Schrittes näherte er sich einem idyllischen Haus und sein Blick fiel nach oben zu einem hell erleuchteten Fenster. In seinen himmelblauen Augen flackerte das Fensterlicht zusammen mit dem Glanz der Erinnerungen.

Ein Mann, sein bezauberndes Lächeln. Blonde Haare spiegeln das Sonnenlicht wider. Dunkle Augen voller Güte und Wärme…und eine Katze. Eine wunderschöne Katze mit schwarzem seidigem Fell und einer kanariengelben Schleife um ihren Hals. Ihr Blick… ihr Blick mit dem sie den Mann mustert… Wärme, Sehnsucht… Liebe…

Schmerz… der Schmerz siegte über das gespiegelte Fensterlicht und nur noch schmerzliche Leere reflektierten seine Augen. Schnee bedeckte sein Haar und die Kälte drang durch den dichten Mantel. Er senkte den Blick und ging weiter.

Sie schaute aus dem Fenster und erblickte nur noch seinen davon schreitenden Rücken. Doch mehr musste sie auch nicht sehen um ihn zu erkennen. Jede seiner Bewegungen war ihr so vertraut. Doch das Gefühl der Vertrautheit wurde in diesem Moment heftig verdrängt durch eine durchdringende Distanz. Luna seufzte und ging zum Spiegel. Geistesabwesend kämmte sie ihr langes, dichtes Haar, das im Kontrast zu ihrer hellen Haut das Dunkel der Nacht nachspielte. Plötzlich schmiss sie die Haarbüste auf den Tisch und ihr Gesicht verschwand in ihren Händen. „Verdammt! Verdammt, verdammt!“, fluchte sie los. Langsam wanderten ihre Hände vom Gesicht zu ihren Haaren und sie strich sich die dunklen Wellen weg. In diesem Moment betrat eine junge Frau das Zimmer in einem rosa Schlafanzug und langen, offenen goldblonden Haaren. „Luna, psst! Meine Eltern dürfen doch nicht mitkriegen, dass du da bist!“, flüsterte sie. „Tut mir Leid, Usagi“, murmelte Luna nur. Usagi stellte sich besorgt hinter Luna und blickte sie im Spiegel an. “Was ist den los?“, fragte sie leise. Luna betrachtete ihre Herrin und Freundin im Spiegelbild und zögerte. Doch Usagis warmes, aufmunterndes Lächeln war überzeugend genug. „Artemis war gerade da… das heißt, er war unten… ist aber einfach wieder gegangen. Usagi, ich weiß nicht was ich tun soll. Seit wir Menschen sind, ist er plötzlich so abweisend… Wenn ich ihm näher sein möchte geht er plötzlich. Wenn ich anfange über unsere Zukunft zu reden wechselt er das Thema… Es war doch alles in Ordnung… glaube ich jedenfalls…“ schluchzte sie und Tränen füllten ihre blauen Augen. „ Luna…“ Usagi umarmte ihre langjährige Katze, die nun endlich wieder ihren menschlichen Körper hatte. „ Luna, ich denke du solltest mit ihm reden... über... Kakeru“ sagte Usagi vorsichtig. Ihr entging nicht der kurz aufblitzende Schmerz in Lunas Augen.


Es war schon Mittag als Luna unbeobachtet das Haus verließ. Die Sonne hatte gerade ihren höchsten Stand erreicht und lies den liegen gebliebenen Schnee wie Diamanten glitzern. Doch diese Schönheit fand zu Lunas Herzen keinen Zugang. Angst beherrschte es momentan. Verzweiflung… und auch das Gefühl an allem schuld zu sein. Daran schuld zu sein, das verloren zu haben, was ihr bestimmt war. Ihr Glück war. Sie brauchte nicht lange um Minakos Haus zu erreichen, doch bevor sie anklopfen konnte ging die Tür auf.

Zwei blaue Blicke trafen sich. Wie Himmel und Ozean, die sich seit Ewigkeiten kannten und liebten, aber sich nie erreichen konnten standen Luna und Artemis wie gelähmt da.
Die ganze Welt um sie herum schien vergessen. Die Schönheit des Winters, das Leuchten der Sonne und die fröhlich zwitschernden Vögel- es existierte nicht. Zwischen den zwei Augenpaaren spielte sich eine eigene Welt ab. Eine Welt voller Schmerz, Verzweiflung, Angst, Enttäuschung und dem Verlangen zu vergessen. Artemis stand da, stumm in seinen weißen Mantel gehüllt. Regungslos.

Da stand er, im Licht und lächelte sie an. Da war er, schmerzverzerrt sein rundes Katzengesicht und trotzdem stand er da, zitternd, und beschütze sie. Da lag er und lächelte sie an, als wäre es selbstverständlich, dass er wegen ihr Schmerz empfand. Da saß er, begraben unterm Schnee, weil er die ganze Nacht auf sie gewartet hatte. Sein trauriger Blick und seine sanfte Stimme “Luna…“, doch sie lief weg zu , drehte ihm den Rücken zu und lief zu Kakeru. Und da war Kakeru weg… bei seiner großen Liebe und Artemis stand da und wartete… trotz allem wartete er.

„Es tut mir Leid…“ brach es aus Luna heraus. Sie brach in Tränen aus, denn das erste Mal wurde ihr bewusst, was sie getan hatte. Zum ersten Mal traf sie der Schmerz, den sie ihm zugefügt hat mich voller Wucht. Zum ersten Mal begriff sie, dass sie sich dafür hasste… weil sie ihn liebte. Nur ihn. Ihre tollpatschige weiße Katze.
Artemis zog sie sanft ins Haus und schloss die Tür. „Nicht weinen…“ flüsterte er nur und nahm sie in den Arm. “Nicht weinen…“, wiederholte er und zog langsam seinen Mantel wieder aus. „Es ist alles gut. Jetzt bist du ja hier“, flüsterte er, lächelte und strich ihr die tränen weg.
Wieder begegneten sich ihre Blicke. Wieder war die Welt vergessen. Doch jetzt war die Dunkelheit durchbrochen. Die Distanz war verschwunden. Und es blieb nur noch der zärtliche Kuss im hellen Licht der Gefühle.

Manchmal reicht ein ehrliches „Es tut mir Leid“ um dein Leben im Glanze des Glückes erstrahlen zu lassen...
Dieses Werk wurde am 2.01.2009 22:31 Uhr eingereicht und wurde bereits 0mal bewertet.
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